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Analoge Beziehungspflege in einer digitalen Welt

Warum beste Freunde einsam machen

Um es gleich vorweg zu nehmen: Das hier wird kein Plädoyer gegen eine beste Freundin oder einen besten Freund. Im Gegenteil. Je mehr man davon hat, umso besser! Das ist meine persönliche Meinung. Ich war selbst mehrfach beste Freundin und habe daraus gelernt.

Beste Freunde kommen …

Worüber schreibe ich hier eigentlich? Natürlich nicht über die vielen Facebook-Freunde, sondern über echte Freundschaften. Zu Menschen, die man vor allem offline trifft. Mädels, mit denen man schon im Sandkasten gerauft hat, zu Jungs, die einen in der Schule abschreiben ließen. Gleichgesinnte (Sportfreunde, Freizeitpartner, Hobbyisten), Leidensgenossen (Ex-Kommilitonen, Mütter, Väter), Nachbarn, Kollegen und viele mehr.

Beste Freunde hat man laut Statistik durchschnittlich ein bis zwei und dann noch drei weitere, die sich als „gute Freunde“ klassifizieren lassen (Quelle: Spektrum). Eine andere Statistik belegt, dass 92 Prozent der Frauen keinesfalls auf ihre beste Freundin verzichten wollten. Diese ist damit sogar ein Prozent bedeutsamer als der eigene Partner (Quelle: iPersonic). Früher wäre ich ganz sicher unter den 92 Prozent gewesen, heute würde ich mich lieber der Stimme enthalten.

Best Buddies kosten Zeit, viel Zeit. Es gibt so viel zu besprechen, zu lachen, zu weinen, zu unternehmen. Es spricht so viel dafür, was also spricht dagegen?

… und gehen

Enge Freundschaften gehen so lange gut, bis etwas oder jemand dazwischen kommt. Ein Umzug, der Jobwechsel oder eine neue Liebe. Letztere ist sogar die größte Bedrohung, ob sie nun in Form der ersten großen Liebe oder der x-ten Traumfrau auftaucht. Alles, was weder pärchenkompatibel noch durch Zwei teilbar ist, verschwindet langsam aber sicher in der Versenkung.

Bei Männern ist der Schrumpfungseffekt im Freundeskreis laut Statistik sogar noch deutlicher als bei Frauen. Sie geben in einer neuen Beziehung durchschnittlich die Hälfte zuvor bestehender Freundschaften auf.

Und eines schönen Tages reibt man (oder Frau) – in welchem Beziehungsstatus auch immer –  sich die Augen und merkt: Da fehlt doch was. Oder jemand. Verlassenheitsgefühl macht sich breit, vielleicht Ärger, vermutlich Trauer. Und dann ist sie plötzlich da, die Lücke. Viel freier Platz im Herzen wie im Terminkalender.

Mehr Freiraum

Klar,  vernachlässigte Freundschaften lassen aufwärmen. Manchmal wird daraus erneut ein enges Band. Und wenn da niemand Geeignetes ist? Nach meiner letzten Rolle als beste Freundin lautet mein persönliches Fazit: Weg mit dem Ausschließlichkeitsanspruch! Wer loslässt, kann bekanntlich nur gewinnen.

Heißt für mich: Augen auf für all die anderen liebenswerten Menschen um mich herum. Bevor ich mein Herz nochmals an eine beste Freundin oder einen besten Freund verschenke und damit einen Gutteil meiner Zeit, pflege ich lieber mehrere gute bis intensive Freundschaften. Ein Mensch kann unmöglich jedes Bedürfnis erfüllen und all meine Interessen teilen. Zumal wir gern zum Jammern neigen und bei unserem persönlichen Seelenmülleimer bisweilen zu viel abladen. Wenn ich mich hingegen öffne und zwischenmenschliche Freiräume respektiere, gewinne ich auf mindestens drei Ebenen:

  1. Auswahl: Mehr Kontakte bedeuten auch mehr Ausgeglichenheit. Ich fühle mich nicht so schnell vernachlässigt und kann im Umkehrschluss viel häufiger Verabredungen treffen, Einladungen aussprechen oder annehmen.
  2. Wertschätzung: Ich überfordere andere nicht durch Dauerpräsenz und nerve nicht mit stets den gleichen Themen. Temporäre Funkstille erhöht den Unterhaltungswert des nächsten Treffens und wird nicht negativ bewertet.
  3. Impulse: Ich finde, neue Impulse sind das Salz in der Freundschaftssuppe. Wozu mich meine sehr guten Freunde und Freundinnen schon inspiriert haben und welche „Trends“ ich selbst gesetzt habe, lest ihr demnächst hier im Blog.

In diesem Sinne: Auf die Freundschaft! In unseren Herzen finden viel mehr nette Menschen Platz als wir denken.

Und wie denkst du darüber? Erzähle es mir in deinem Kommentar.

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Autor: Claudia

"Dieweltunddu" ist ein privates Blog. Willst du besser netzwerken, Freundschaften pflegen und neue Leute kennen lernen? Ich auch! Was ich diesbezüglich unternehme und erlebe, liest du hier.

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